Ehrenamt heute

 

 

Mein Artikel für unser Gemeindeblatt August -Oktober 2014:

 

Ehrenamtlich arbeiten?

 

 

Als meine Eltern 1973 nach Berlin zogen, hatte ich eine Lehrstelle in Angermünde und war nur am Wochenende „zu Hause“ in Berlin. Meine Geschwister gingen noch zur Schule und hatten schnell neue Freunde. Ich aber kannte hier niemand außer der Familie. So kam ich auf die Idee, den Ortspfarrer zu besuchen und zu fragen, ob er nicht jemand kenne, der sich freuen würde, wenn ich ihn/sie regelmäßig besuche, z.B. alte Leute. Er war freundlich, aber eine Adresse habe ich nie von ihm bekommen. Dafür habe ich mir dann im nahegelegenen Seniorenheim eine Frau gesucht, die sich über meinen Besuch freute. Inzwischen ist es mir als Pastorin selbst oft so gegangen, dass mich Menschen fragten, ob sie sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagieren könnten. Dann zähle ich auf, auf welchen Gebieten wir uns darüber freuen würden. Jahrelang hatten wir eine entsprechende Liste hier im Gemeindeblatt veröffentlicht, aber mit einem Erfolg gleich Null.

 

Offensichtlich treffen hier zwei verschiedene Interessen aufeinander, die nur schwer miteinander zu verbinden sind. Da ist die Institution, in die-sem Fall die Kirche, die in den letzten zwanzig Jahren viele bezahlte Arbeitsplätze abgebaut hat und hofft, dass diese Arbeiten nun von Ehren-amtlichen übernommen werden. Auf der anderen Seite fragen Leute nach ehrenamtlicher Arbeit, die Kontakt suchen wie ich damals und die etwas Sinnvolles tun möchten. Oft wollen sie Menschen helfen, die sie als schwächer einschätzen: Kinder, Senioren, Sterbende. Dabei überschätzt man aber oft die eigenen Kräfte. Man meint, weil man zu Hause diese Arbeiten macht, könne man sie auch für andere tun. Doch Menschen sind sehr unterschiedlich und wenn eine Institution Adressen an Personen herausgibt, setzt das großes Vertrauen voraus. So wird heute bei der ehrenamtlichen Hospizarbeit der Besuch eines hundertstündigen Ausbil-dungskurses zur Pflicht gemacht, in dem auch geprüft wird, ob man für diese Arbeit geeignet ist.

 

Kirchengemeinden aber leben davon, dass sich Menschen treffen, um gemeinsam Gottes Wort zu lesen und zu versuchen, danach zu leben. Dafür war von Anfang an Gemeinschaft und deren Organisation nötig. Das war nie konfliktfrei, aber hat die Welt zugunsten der Schwachen sehr spürbar verändert.

 

Katharina Dang

 

 

 

Ehrenamt heute - (m)eine Präsentation 
für das Forum

"Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche"

 

veranstaltet von "ZusammenLEBEN" e.V., dem Förderverein der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Marzahn/Nord am 19. August 2013,  hier als download:   "Ehrenamt heute"